Das Frühförderprogramm „Mengen, Zählen, Zahlen“ (MZZ) wurde von Kristin Krajewski auf der Grundlage ihrer vorhergehenden Studie entworfen, in der sie spezifische und unspezifische Prädiktoren für mathematische Schulleistung betrachtete und zu dem Schluss kam, dass durch die Förderung dieser Prädiktoren die Schulleistung gesteigert werden kann. Daraufhin entwarf sie in Zusammenarbeit mit Gerhild Nieding und Wolfgang Schneider (2007a, b) ein Förderkonzept zur spielerischen Vermittlung der abstrakten Struktur der Zahlen. Das Konzept beruht auf einem entwicklungs- und pädagogisch-psychologischen, sowie didaktischen Fundament.
MZZ hat drei Förderschwerpunkte. Den ersten Schwerpunkt bildet die Förderung numerischer Basisfertigkeiten und deren Verknüpfung miteinander. Die Kinder sollen die Zahlen bis 10 kennen lernen und ein Anzahlkonzept ausbilden, also verstehen, dass Zahlen eine Menge bestimmen können. Der zweite Förderschwerpunkt dient dem Verständnis der Anzahlordnung, also der Zahlen in ihrer Zahlwortreihe. Die Kinder sollen lernen, dass man die Zahlen aufgrund ihrer Mächtigkeit ordnen kann und sie dadurch miteinander verglichen werden können. Im dritten Schwerpunkt sollen Zahlen in Beziehung gesetzt werden. Die Kinder sollen die Teil-Ganzes-Beziehungen der Zahlen erkennen und sie zerlegen und zusammensetzen. Die Förderung wird durch visuelle Anschauungsmittel, wie zum Beispiel die Zahlentreppe unterstützt. Die Materialien wurden bewusst strukturiert und einfach dargestellt, ohne Verschönerungen oder Einbettung in eine Rahmenhandlung, um das Arbeitsgedächtnis der Kinder nicht zu überlasten. Die Kinder sollen in einer Kleingruppe von 4-6 Kindern innerhalb von 8 Wochen (24 halbe Stunden) nach einem detaillierten Zeitplan gefördert werden. Dieser Zeitplan gibt genau vor, welche Übung an welchem Tag durchgeführt werden soll.
Das Programm MZZ wurde in einer Längsschnittstudie mit 260 Vorschulkindern evaluiert. Die Kinder, die mit MZZ gefördert wurden, wurden mit Kindern einer Kontrollwartegruppe und Kindern, die mit dem Konzept von Friedrich (s.o.) gefördert wurden, verglichen. Es zeigte sich, dass nur die Förderung mit dem MZZ-Konzept einen Effekt auf mathematische Vorläuferkompetenzen zeigten (Krajewski, Nieding & Schneider, im Druck).
Kritisch anzumerken an diesem Konzept ist, dass es nicht kindgerecht gestaltet wird. Die Materialien sind überwiegend weiß oder grau und nicht bunt und ansprechend gestaltet. Krajewski geht davon aus, dass damit das Arbeitsgedächtnis der Kinder überlastet wird, beachtet dabei aber nicht motivationale und emotionale Komponenten, die, wie sich zeigte, durchaus eine Rolle spielen. Die Kinder müssen sich veranlasst sehen, mit dem Material umzugehen und zu spielen. Der eng gefasste Zeitplan ist für den Alltag in Kindergärten nur schwer umzusetzen. Es wird die individuelle Abstimmung der Fördermaßnahmen auf die Kinder vernachlässigt, sowie die Flexibilität der Erzieher und Erzieherinnen eingeschränkt.
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