Gute Rechenfertigkeiten sind in unserer Gesellschaft genau so wichtig wie das Lesen und Schreiben. Jedoch hat das Rechnen bisher keinen höheren sozialen Status erreicht. Dies könnte daran liegen, dass Mathematik in größeren Teilen unserer Gesellschaft missverstanden wird. Die Menschen erinnern sich an die Art von Mathematik, die sie in der Schule erlebt haben und konstruieren sich ihre eigene Welt der Mathematik, die aus der Arithmetik der Grundschule und ein wenig Algebra oder Geometrie aus der weiterführenden Schule besteht. Das Ergebnis ist, dass sie eine eingeschränkte Sichtweise über mathematisches Lernen erwerben. Sie glauben, dass Mathematik erlernen bedeutet, Regeln und Formeln auswendig zu lernen und durch viel Übung als Automatismus einzuschleifen (vgl. Davis 1986).
Das ist eine Sichtweise, die den Schulalltag in deutschen Schulen widerspiegelt, wie Mathematik gelernt und gelehrt wird. Einige Schüler haben Probleme dem Stoff und/oder der Art der Vermittlung im Unterricht zu folgen. Sie bekommen Schwierigkeiten im Rechnen, die sich häufig im Laufe der Jahre noch vervielfältigen.
Die Forschung zur Rechenstörung hat bislang bei weitem noch nicht so viel Aufmerksamkeit gefunden, wie die Forschung zu Störungen des Lesens und Schreibens (vgl. Lorenz 2005). Auch dies könnte durch die mangelnde gesellschaftliche Anerkennung des Rechnens als wichtige Eigenschaft begründet werden. Lässt die Angst vor der Mathematik und deren Formeln den wahren Wert des Mathematik in uns erstarren? Eine Professorin stieß bei ihren Erstsemestern auf fragende Gesichter, als sie erklärte: „Wenn Sie nicht in der Lage sind, ein Gefühl für Mathematik zu entwickeln, werden Sie auch nicht in der Lage sein, über die Analysis hinaus zukommen.“
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